Veröffentlicht 2008-10-06

Kleidung mit kurzem Verfallsdatum

Der globale Modegigant H&M hat eine hervorragende Übersicht über seine gesamte Logistik. Das ist in dieser besonders beweglichen Branche lebenswichtig.

E

s ist früh am Morgen. Gerade ist die Sonne aufgegangen, die Cafés sind noch geschlossen und ein paar Menschen sind schon auf dem Weg zur Arbeit. Um halb Sieben holt Bengt-Olov Carlbom den ersten Container mit in Kisten verpackter und auf Bügeln hängender Kleidung vom Terminal der Spedition Green Cargo. Green Cargo ist verantwortlich für die Transporte zu und von den Filialen des globalen Modegiganten H&M in dessen Mutterland Schweden. Und das sind wirklich eine Menge Transporte. Größere H&M-Filialen werden mehrmals täglich beliefert. Meistens fährt Bengt-Olov Carlbom am Vormittag zu zwei Filialen in der Göteborger Innenstadt und zu einer etwas außerhalb der schwedischen Großstadt. Jetzt parkt sein Volvo FM9, der gerade im Zentrum der Stadt parkt, spiegelt sich in den Schaufenstern auf der anderen Straßenseite. Unterdessen schiebt Bengt-Olov Carlbom seine Karre mit Kleidungskisten zwischen Lkw und Laden hin und her. Zwei Filialmitarbeiterinnen nehmen die frische Lieferung in weißen Handschuhen in Empfang, um sie nicht zu beschmutzen. Sofort beginnen sie mit dem Auspacken und Aufhängen der Ware.

„Alles muss in einer bestimmten Zeit auf der Verkaufsfläche sein“, sagt Bengt-Olov Carlbom. „Also müssen auch wir unseren Zeitplan einhalten.“

H&M hat in den letzten Jahren erheblich expandiert. Heute hat das Unternehmen 1.500 Filialen in 28 Ländern. Der größte Markt ist Deutschland, gefolgt von Großbritannien und Schweden. H&M hat ein eigenes Lager, eigene Filialen und über 100 Designer, die die verschiedenen Kollektionen kreieren. Das Unternehmen kauft aber die Transportdienstleistungen und die eigentliche Produktion ein.

Häufig hört man, dass eines der Erfolgsgeheimnisse von H&M sein effizientes Logistiksystem sei. Der kontinuierliche Strom von Millionen Kleidungsartikeln im Jahr wird zentral von der Stockholmer Hauptniederlassung aus gesteuert. Die Warenmischung ist auf die Kundenanforderungen des jeweiligen Marktes zugeschnitten, und auch die Größe der Filialen bestimmt die Verteilung des Produktsortiments. Besonders modische Kleidung beispielsweise wird in begrenzten Stückzahlen produziert und gegebenenfalls nur in den Filialen ausgewählter Städte verkauft, während das Grundsortiment in größeren Mengen produziert und an mehr Filialen geliefert wird. Es ist wichtig, schnell zu reagieren, wenn sich ein Artikel sehr gut verkauft oder sehr schlecht.

„Heute hält sich ein Laib Brot länger als ein Modeartikel“, kommentiert Per Isacsson von Green Cargo, Fashion Logistics. „Unsere große Herausforderung ist die Zeitanforderung. Die an einem Tag verkaufte Kleidung muss bereits am nächsten Tag wieder in der Filiale aufgefüllt sein. Für neue Ware gibt es etwas mehr Platz, und bei Kampagnenartikeln müssen riesige Mengen innerhalb kurzer Zeit transportiert und geliefert werden.“

Green Cargo arbeitet mit Sammelverkehr und einer Kombination von Schiene und Straße, die immense Flexibilität bietet. Alles wird auf Wechselaufbauten transportiert, die schnell vom Waggon auf den Lkw und umgekehrt geladen werden können.

„Wir müssen unsere Tätigkeit optimieren, um sie dem Warenstrom anzupassen. In der Hochsaison transportieren wir manchmal an einem Tag die fünffache Menge des Tagesaufkommens außerhalb der Saison“, erläutert Per Isacsson.

Nachdem Bengt-Olov Carlbom die Tagesladung an Kleidung, Accessoires, Kosmetik und weiteren Artikeln in die Filiale gebracht hat, muss er sich um all die leeren Plastikkisten und Kleiderbügel kümmern. 30 Prozent der gelieferten Menge werden sogar wieder zurückgesendet. Er stapelt leere Verpackungseinheiten und schiebt seine Karre hinaus zu seinem Lkw.

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